Zeckenalarm? Panikmache? Impfungen? – Informationen

Zeckenalarm – Natur aus dem Gleichgewicht

Die Warnung vor Zecken und den von ihnen übertragenen Krankheiten ist zwar regelmässiges Medienthema.

Dieses Jahr scheint die Zeckenbelastung jedoch zu eskalieren: mit 443 Exemplaren pro 100 m2 wurde die höchste Zeckendichte seit Beginn der Messungen prognostiziert. [1, 2] Ausserdem wurde eine neue „Jagdzecke“ aus den Tropen namens Hyalomma gefunden. [3] Im Gepäck bringt sie schlimmstenfalls die Erreger für Fleckfieber und das Krim-Kongo-Fieber mit, die sich zu den hiesigen Infektionskrankheiten FSME und Borreliose gesellen. Müssen wir uns nun noch mehr sorgen? Was sind die Gründe für die wachsende Zeckenpopulation?

1. Füssler C (2018) Gibt es so viele Zecken wie noch nie? FAS
2. Brugger K, Walter M, Chitimia-Dobler L et al. (2018) Forecasting next season’s Ixodesricinus nymphal density: the example of southern Germany 2018. Exp Appl Acarol 4(4): 97. doi: 10.1007/s10493-018-0267-6
3. Tropische Zecke in der Pfalz gefunden. Ärzte Zeitung online, 29.08.2018

Infektionen: Wahrheit und Dichtung

Die Berichterstattung gibt uns Verhaltenstipps an die Hand, mit denen wir Zeckenbisse vermeiden sollen. Im gleichen Atemzug wird vor den Gefahren von FSME und Borreliose gewarnt und deren angebliches Voranschreiten beschrieben. Zur Borreliose liegen aber keine gesicherten Erkenntnisse vor, ob die Durchseuchung überhaupt zugenommen hat. Der Nachweis von Antikörpern im Blut ist sicherlich kein Beweis für Borreliose: Antikörper sind ein Zeichen für eine gesunde Immunabwehr, nicht für Krankheit. [4, 5] Bei der FSME ist Panik ebenfalls unangebracht. Neue Aufmerksamkeit hat sie zwar dadurch erregt, dass Krankheitsfälle in Gegenden aufgetreten sind, die bisher nicht als FSME-Gebiete galten. Die Wahrscheinlichkeit, auf eine infektiöse Zecke zu treffen, ist aber nach wie vor sehr gering. Selbst im falle eines Bisses ist der Krankheitsausbruch unwahrscheinlich [6]. Über Infektionen durch die Hyalomma-Zecke müssen wir uns zu diesem Zeitpunkt gar keine Gedanken machen: Keine zehn Exemplare wurden gefunden. Ob sich die Art bei uns ansiedelt, ist nicht absehbar.

4. Mehlhorn H (2012) Die Parasiten des Menschen. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
doi: 10.1007/978-3-8274-2271-2
5. Rauer S Neurol. Uniklinik Freiburg, Koordinator der S3-Leitlinie „Neuroborreliose“ in MMW 2018.9/160 (9/2018)
6. Niedersächsische Landesgesundheitsamt (2018) FSME Frühsommer-Meningoenzephalitis. URL = https://www.nlga.niedersachsen.de/infektionsschutz/

Klimawandel als Erklärungsversuch: lückenhaft

Trotzdem drängt sich die Frage auf, was Vermehrung und Ausbreitung der Zecken so sehr begünstigt. Gängiges Erklärungsmodell ist der Klimawandel: fremde Arten sie- deln sich an, wenn sie durch die wärmeren Temperaturen hier nun gute Lebensbedingungen vorfinden. Auch auf den schon lange heimischen Holzbock haben die heissen Sommer und milden Winter ihre Wirkung. Er wandert Richtung Norden und vermutlich hat sich sein Verhalten verändert. Seine Hauptaktivität liegt jetzt im zweiten Halbjahr. Das veränderte Aktivitätsmuster führt dazu, dass mehr exemplare den Winter überleben. [7]

7. Gray JS, Dautel H, Estrada-Peña A et al. (2009) Effects of climate change on ticks and tick-borne diseases in europe. Interdiscip Perspect Infect Dis 2009: 593232. doi: 10.1155/2009/593232

Wo sind die natürlichen Feinde der Zecke?

Der Klimawandel taugt aber nicht als umfassende Erklärung: Wo es viele Zecken gibt, da müsste es eigentlich auch viele ihrer feinde geben
– das regelt eine intakte natur alleine. Nur bei uns gibt es diese Feinde kaum. Fadenwürmer, die Erzwespe und ein bestimmter Pilz könnten die Zecken im Zaum halten. [8, 9]

Wissenschaftler versuchen schon seit längerem, diesen Pilz in die Natur einzubringen, um so die Zecken zu dezimieren. [10]

Wir sind uns sicher, dass dies der falsche Weg ist: ein weiterer menschlicher Eingriff mit unabsehbaren Nebeneffekten wird kein natürliches Gleichgewicht herstellen. Genau das braucht es aber, um die übermäßige Verbreitung von Zecken und alles andere, was zukünftig aus dem Ruder laufen wird, zu vermeiden.

Dass die Natur sich selbst zu helfen weiss, zeigen Untersuchungen von Zecken, die zuvor an Wiederkäuern gesaugt haben: anschliessend sind sie ungefährlich. [11]

Mit einer verantwortungsvollen Haltung von Kühen, Schafen und Ziegen auf Weiden und nicht eingepfercht in Ställen würde ein Teil der infektiösen Zecken also bereits gebannt werden.

Ein verantwortungsvolles Handeln erfordert auch, die Welt nicht weiter mit insektiziden zu verpesten. So könnten sich die Erzwespen im natürlichen Rahmen vermehren und ihren Teil beitragen zur eindämmung der Zecken. Das würde auch die dramatisch geschädigte Vogelwelt retten: die Vogeljungen verhungern massenhaft – weil es kaum noch Insekten gibt. [12] Vögel als Fressfeinde der Zecken sind für Deutschland nicht untersucht, vielleicht auch, weil die Agrarlobby solche Forschung zu verhindern weiss. In den USA aber galt das Helmperlhuhn lange als die „Volksabwehr“ gegen Zecken und hat seinen Appetit darauf nachgewiesen. [13]

Welcher urheimische Vogel diese rolle hierzulande übernehmen könnte, wissen wir nicht. Wie werden es auch nie erfahren, wenn die Ausrottung der Insekten- und Vogelwelt weitergeht. Auf den durch Windräder unerreichbaren flächen wird kein Vogel mehr zum fressen landen.

Zecken gehören zum Gleichgewicht

Die Natur hat für jedes ihrer Geschöpfe einen Platz und eine Aufgabe vorgesehen – wir müssen sie nur machen lassen. Parasiten und Schädlinge kennt sie nicht. So sind auch nicht die Zecken das Problem, sondern nur ein Symptom. Das Problem ist unsere Zerstörungswut mit Insektiziden, Herbiziden, Massentierhaltung und der Landwirtschaftsindustrie.

Parasitär verhält sich der moderne Mensch. 

8. Samish M, Alekseev E, Glazer I (2000) Biocontrol of ticks by entomopathogenic nematodes. Research update. Ann N Y Acad Sci 916: 589–594
9. Bohacsova M, Mediannikov O, Kazimirova M et al. (2016) Arsenophonus nasoniae and Rickettsiae Infection of Ixodes ricinus Due to Parasitic Wasp Ixodiphagus hookeri. PLoS ONE 11(2): e0149950. doi: 10.1371/journal.pone.0149950
10. Sebastian P, Mackenstedt U et al. (2014) Ökologie von Zecken als Überträger von Krankheitserregern in Baden-Württemberg und biologische Zeckenbekämpfung. Bundes- gesundheitsbl. 57: 549. doi: 10.1007/s00103-013-1929-5
11. Hartwig A. Was jeder über die Zecken-induzierte Borreliose vom Typ Lyme-Krankheit, bzw. Lyme-Borreliose vor dem Gang zum Hausarzt wissen sollte! URL = https://borreliose- zecken-ms.de/merkbl.html
12. Hallmann CA, Foppen, Ruud P B, van Turnhout, Chris A M et al. (2014) Declines in insectivorous birds are associated with high neonicotinoid concentrations. Nature 511(7509): 341–343. doi: 10.1038/nature13531
13. Duffy DC et al. (1992) The effectiveness of Helmeted Guineafowl in the control of the deer tick, the vector of Lyme disease. Willson Bull. 104(2): 342-345

Keine Panik: Borreliose und FSM

Die Wahrscheinlichkeit für eine Borrelieninfektion durch Zecken ist gering. Nur 4 % der Zecken übertragen den Erreger. Wenn wir die Zecke innerhalb von 12 bis 18 Stunden entfernen, geschieht keine Übertragung. Selbst nach einer Übertragung erkranken die meisten Menschen nicht. Das immunsystem besiegt die infektion. „die meisten Zeckenstiche von nachweislich infizierten Tieren scheinen nicht zu Infektionen zu führen oder heilen spontan aus (90 %)“. [4]

Selbst in bekannten FSME-Gebieten übertragen nur 0,1 – 5 % der Zecken den Erreger – in den meisten Übertragungsfällen bricht die Krankheit nicht aus. [4]
nach einem Biss entfernen Sie die Zecke vorsichtig und tragen etwas urheimische Cystus® Bio Salbe auf.

Quelle, auch für gute urheimische Produkte: pandalis.de (Urheimische Notizen 3/2018)

Oregano-Öl können wir nach einem Zeckenbiss ebenfalls empfehlen. Es desinfiziert und ist antibakteriell.

Wesentlich schlimmer als ein Zeckenbiss kann eine Zeckenimpfung enden.




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