The Ocean Cleanup – Lasst uns das Meer aufräumen!

Der junge, tauchbegeisterte Schüler Boyan Slat hat die Schnauze voll von der zunehmenden Vermüllung der Meere. Aber anstatt zu jammern, entwickelt er eine Idee, wie man den Müll einfach und effizient aus den Ozeanen filtern könnte. Sein Konzept erreichte unlängst in einer spektakulären Crowdfundingkampagne mit dem Namen „The Ocean Cleanup“ über 2 Millionen Doller.

Maritimer Alptraum: Plastikteppiche auf den Meeren – teilweise viermal so groß wie Deutschland

Think big! Boyan Slat ist Holländer, 19 Jahre alt und taucht leidenschaftlich gern. Doch das Tauchen wurde ihm zehmend verleidet, denn immer häufiger schwammen ihm Plastiktüten entgegen und am Strand häuften sich die Vogelkadaver – tot, weil sie statt Fische bunte Plastikteilchen gefressen hatten. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen landen jedes Jahr 6,4 Millionen Tonnen Müll in den Ozeanen. Aktuell dürften es insgesamt Hunderte von Millionen Tonnen sein, der sich in spiralförmigen Wirbeln sammelt. Mehr als eine Million Seevögel und 100.000 Säugetiere sterben jährlich daran und der Müllteppich wächst weiter: So zum Beispiel der „Great Pacific Garbage Patch“ – ein Abfallstrudel im Nordpazifik. Er ist bereits viermal so groß wie Deutschland. Ein maritimer Alptraum.

Klar: Konzerne wie Verbraucher sind zu einem nachhaltigerem Umgang mit unseren Meeren und zur Müllvermeidung aufgerufen, aber was macht man mit dem ganzen Müll, der sich jetzt schon darin befindet? Bisher fährt man ihm hinterher und fischt ihn heraus – eine aufwändige und zudem wenig effiziente Methode. Boyan Slat und ein Schulfreund haben in 2011 eine andere Idee: „Warum sollten wir uns durch die Ozeane bewegen, wenn die Ozeane sich durch uns bewegen können? Wieso Energie damit verschwenden, dem Plastik hinterherzujagen, wenn es von selbst zu uns kommt?“

The Ocean Cleanup – kann das wirklich so einfach sein?

2012 stellt der damals 17-Jährige sein Konzept zur passiven Müllbeseitigung öffentlich vor. Am Meeresboden fixierte Plattformen sollen mit riesigen, bis zu 50 Kilometer langen Fangarmen den Plastikmüll aus dem Wasser filtern, der allein durch Wind und natürliche Strömungen dort hinein getrieben wird. Diese Filter sollen an ganz bestimmten Stellen in Atlantik, Pazifik und dem indischen Ozean installiert werden. Angeblich befindet sich das meiste Plastik in einer Höhe von drei Metern unterhalb des Wasserspiegels, was bedeutet, dass es von den Armen der „The Ocean Cleanup“-Filter erreicht würde. Da die Filter passiv auf den Müll „warten“, der in sie hinein getrieben wird, räume sich das Meer quasi selbst auf. In einer großen Plattform unterhalb der Filter würde der Müll gesammelt und komprimiert. Achtmal im Jahr würde er per Schiff abgeholt und schließlich an Land recycelt und verkauft. Durch den Verkauf sollen sich der Ausbau der Anlagen, Betrieb und die Verwertung refinanzieren. Die Filter seien angeblich ungefährlich, Meeresbewohner wie Delfine und Wale schwimmen problemlos unter den Plattformen und Fangarmen durch.

Kurz darauf hält Boyan Slat einen Vortrag auf der TedX-Konferenz in Delft und wirbt dort sehr überzeugend und selbstbewusst für das Projekt: „Und ja, es wird eine der größten Rettungsmissionen für die Umwelt sein, aber wir haben diesen Mist verursacht, (…) also erzählt mir nicht, dass wir es nicht zusammen aufräumen können.“ Sein Einsatz zahlt sich aus: Viele, teilweise auch die Fachwelt, sind von dem Engagement und der Idee des Holländers, der inzwischen Luft- und Raumfahrttechnik studiert, begeistert. Im April 2013 gründet er das Projekt „The Ocean Cleanup“ und startet eine Crowdfunding-Kampagne, um die Machbarkeitsstudie für seine Idee zu erstellen.

Für die Machbarkeitsstudie benötigt das Team 80.000 Dollar. Die Kampagne erreicht 89.000 Dollar. Slat und sein Team benötigen ein Jahr, um ihre Idee sowohl in technischer wie auch rechtlicher Hinsicht zu prüfen und versuchen, die kritischen Einwände zu klären. Darunter wichtige Fragen wie die nach der Umweltverträglichkeit der Filter und was mit dem gesammelten Plastik geschehen soll. Kleinere Prototypen werden entwickelt und getestet. Ein Jahr später veröffentlicht das Team die 528 Seiten umfassende Studie, die besagt, dass die genannten Probleme angeblich lösbar sind.

Zweite Crowdfunding-Kampagne für den Bau des Ocean-Cleanup-Prototypen erziehlt über 2 Millionen Dollar!

Slat und sein Team starten 2014 eine zweite Crowdfunding-Kampagne mit dem ehrgeizigen Ziel, innerhalb von 100 Tagen 2 Millionen Dollar für den ersten voll funktionsfähigen Prototypen zu sammeln. Auch dieser Plan gelingt scheinbar mühelos. Bis zum heutigen Tag haben Unterstützer aus der ganzen Welt insgesamt 2.154.282,00 Doller gespendet. Der Bau des Prototypen läuft.

Das Konzept „ist wahrscheinlich eine praktikable und tragfähige Methode, um fast die Hälfte der Kunststoffe aus dem Nord-Pacific Garbage Patch in 10 Jahren zu entfernen, während sie schätzungsweise 7900 x schneller und 33 x billiger ist als herkömmliche Methoden“ liest man auf der Webseite des Ocean Cleanup Projekts. Namhafte Kritiker bezweifeln jedoch, ob darin wirklich alle Faktoren berücksichtigt wurden und ob das Team um Boyan Slat überhaupt kompetent genug für das Erstellen so einer Studie sei. Unklar ist unter anderem, was mit den nicht schwimmfähigen Meeresbewohnern passiert, die eventuell genau wie die Plastikteilchen in den Filter getrieben werden. Auf die teilweise massiven Einwände von Meeresbiologen und Forschern antwortet Slut mit der Ankündigung einer weiteren Studie und erklärt, dass es sich ja um eine komplett neues Verfahren handle, was eben ausprobiert werden müsse.

Boyan Slat hat eine Vision, genug Antrieb und nun auch das Kapital, die Vision Realität werden zu lassen. Damit ist er vielen anderen Konzepten, den Müll aus dem Meer zu fischen, voraus. Ob es sich am Ende als die geniale Lösung herausstellt, wird der erste Einsatz seines Filtermodells zeigen. Wie nötig funktionierende aber solche Konzepte sind – sowohl zur Müllvermeidung wie auch zur Müllbeseitung und zwar nicht nur in den Meeren – ist unbestritten. Dass es einem Studenten gelingt, dafür über 2 Mio. Dollar zu sammeln, macht Hoffnung.

Quelle: sein.de | www.theoceancleanup.com