Ich sah Licht am Horizont

Das war mein viertes Praktikum innerhalb meiner medizinischen Ausbildung. Zwei Pflegepraktika und eine Famulatur habe ich vor meinem Aufenthalt hier bereits absolviert. Die ersten Pflegepraktika waren die schlimmsten Jobs, die ich jemals hatte. Und das nicht, weil man als Pflegepraktikant hauptsächlich damit beschäftigt ist Fäkalien wegzuräumen, sondern weil, zumindest mir, sehr schnell klar wurde, dass all die Arbeit die von Seiten der Schwestern, aber auch von Seiten der Ärzte verrichtet werden, weitestgehend sinnlos ist. Von Woche zu Woche wurde ich im Pflegepraktikum deprimierter und verlor regelrecht meine Freude am Leben. Dabei war das Schwesternteam in beiden Pflegepraktika ausgezeichnet und ich habe mich sehr wohl im Kollegium gefühlt. Es war aber alles verlorene Liebesmüh. Das erste Praktikum war auf einer chirurgischen Station, die noch halbwegs Sinn hatte, weil Chirurgen häufig in der Lage sind Krankheiten raus zu schneiden, Knochen zu Nageln und Löcher zu stopfen und der Patient geht dann mit einer Narbe aber sonst ziemlich intakt wieder nach Hause.

Eine Katastrophe war mein Pflegepraktikum im angesehensten (Name ist uns bekannt) Krankenhaus für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Manche Diabetiker kommen von weit her um sich dort behandeln zu lassen. Da ist kein einziger Patient je gesund entlassen worden. Ich bin mir nicht sicher ob die Menschen, die dort arbeiten, überhaupt wissen, dass es möglich ist die Patienten zu heilen oder ob sie denken, man müsse sie halt “richtig einstellen”.

Als ich von Ihrer Methode durch Freunde gehört habe, habe ich zusätzlich ein Praktikum (halbes Jahr) im entsprechenden Alters- und Pflegeheim in Deutschland absolviert und erstmals gesehen was möglich ist. Kranke Menschen, die nur noch mit Medikamenten behandelt wurden, die keinen Sinn mehr im Leben hatten, wurden wieder gesund und fanden schnell wieder Freude am Leben. Wir Mitarbeiter – Pflegerinnen und Pfleger – hatten plötzlich Zeit für die Mitbewohner. Es ging vielen schon nach kurzer Zeit besser. Wir waren nicht mehr nur beschäftigt mit Pflege, waschen und Better neu zu beziehen (Fäkalien zu entsorgen), sowie Essen zu verabreichen. Nein wir hatten Zeit für die Mitbewohner. Mit Ihnen zu turnen, mit ihnen zu singen, zu musizieren und Ausflüge zu organsieren. Vorzulesen und vieles mehr. Das war für mich die interessanteste Zeit, sehr wertvoll und informativ. Dafür meinen herzlichsten Dank.

Ich denke noch oft daran. Nur dort wo ich jetzt arbeite, in einer Klinik, muss ich schweigen. Ich kann mir nicht erlauben den Job zu verlieren.