Der „Heilige Gral der Krebsforschung“ ist oft kaum besser als ein Münzwurf

Die Unstatistik des Monats September ist die angebliche Treffsicherheit des Bluttests für zehn verschiedene Krebsarten im Frühstadium, den Forscher der Cleveland Clinic entwickelt haben. Über ihn berichtete unter anderem die Online-Ausgabe des „Focus“ am 3. September unter dem Titel „Bluttest erkennt 10 Tumorarten im Frühstadium“  und spricht von einer Treffsicherheit bis 90 Prozent. Der Studienleiter nennt den Test im Artikel den „Heiligen Gral der Krebsforschung“. Dabei wird jedoch wie schon beim Heidelberger Brustkrebs-Bluttest (siehe Unstatistik Februar und Mai 2019 weiter unten) lediglich die Trefferrate genannt, nicht jedoch die Falsch-Alarm-Rate. Es bleibt daher völlig unklar, wie häufig der Test bei gesunden Personen fälschlicherweise Krebs diagnostiziert.

Für die genannten zehn Krebsarten liefert das Zentrum für Krebsregisterdaten des Robert-Koch-Instituts in Berlin unter anderem die Anzahl der altersstandardisierten Neuerkrankungen je 100.000 Männer und Frauen. Kombiniert man diese Daten mit verschiedenen Annahmen über die Falsch-Alarm-Rate, so ergibt sich ein ganz anderes Bild, das umso bedenklicher wird, je seltener eine Krebsart ist.

Angenommen, ein Krebs tritt bei 1 Prozent der Bevölkerung je Jahr neu auf, d.h. unter 100.000 Personen erkranken 1.000 jährlich neu. Dann bedeutet eine Trefferrate von 99 Prozent, dass von diesen 1.000 Personen 990 richtigerweise als krank erkannt werden. Eine Falsch-Alarm-Rate von 1 Prozent, also eine Richtig-Alarm-Rate von ebenfalls 99 Prozent, bedeutet jedoch, dass unter den gesunden 99.000 Personen ebenfalls 990 als krank erkannt werden. In jedem zweiten Fall wäre also eine als krank diagnostizierte Person gesund.

Verwenden wir die angegebenen Trefferraten und zugleich eine sehr kleine hypothetische Falsch-Alarm-Rate von 0,001 Prozent, so wären jede zweite mit Speiseröhrenkrebs diagnostizierte Frau und zwei von drei mit Kehlkopfkrebs diagnostizierte Frauen gar nicht krank. Unterstellen wir hingegen eine Falsch-Alarm-Rate von 46 Prozent, wie sie der Heidelberger Bluttest aufweist, so liegt der Anteil der fälschlicherweise als krank diagnostizierten Frauen und Männer durchgehend bei mehr als 99,9 Prozent. Fast niemand mit Krebsdiagnose hätte also tatsächlich Krebs.

Es ist schlimm genug, dass Medienberichte über solche neuartigen Bluttests falsche Hoffnungen schüren, obwohl solche Tests womöglich unzählige Menschen irrtümlich mit schwersten Diagnosen belasten würden. Besonders schlimm ist aber, dass selbst Skandale wie derjenige um den Heidelberger Bluttest nicht dazu führen, dass Journalisten mit mehr Sorgfalt über solche scheinbaren Sensationen berichten.

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„Zuverlässiger“ Bluttest aus Heidelberg: jede zweite gesunde Frau würde falschen Krebsbefund erhalten

Mai 2019

Die Unstatistik des Monats Mai ist die Falsch-Alarm-Rate des Heidelberger Bluttests für Brustkrebs. Dieser Test wurde in einer Pressemitteilung des Universitätsklinikums Heidelberg als „Meilenstein in der Brustkrebsdiagnostik“ gepriesen und auf der Titelseite der BILD-Zeitung als „Weltsensation aus Deutschland“ gefeiert. In beiden Fällen wurde die Sensation mit einer Trefferrate von 75 Prozent begründet und davon gesprochen, dass der Test marktfähig sei. Wir hatten in der Unstatistik vom Februar 2019 (weiter unten) bereits erklärt, dass die Trefferrate allein nichts über die Zuverlässigkeit eines Tests aussagt. Man muss immer zugleich die Falsch-Alarm-Rate kennen, das heißt, wie häufig der Test bei gesunden Frauen fälschlicherweise einen Verdacht auf Krebs feststellt. Diese wurde aber nicht kommuniziert.

Warum muss man beides wissen? Ein einfaches Beispiel verdeutlicht das. Wenn man schlicht bei jeder Frau einen Tumor diagnostiziert, dann wird jeder Tumor gefunden, aber auch jede gesunde Frau wird falsch diagnostiziert – also erzielt man eine Falsch-Alarm-Rate von 100 Prozent. Wenn man zwei Münzen wirft und immer Krebs diagnostiziert, sofern man keine Doppel-Zahl hat, dann hat man – wie beim Bluttest – eine Trefferrate von 75 Prozent, aber auch eine Falsch-Alarm-Rate von 75 Prozent. Also ist eine hohe Trefferrate nur beeindruckend, wenn die Falsch-Alarm-Rate niedrig ist. Das Mammographie-Screening hat beispielsweise eine Trefferrate von etwa 80 Prozent bei einer Falsch-Alarm-Rate von 5 bis 10 Prozent, je nach Alter der Frau.

Inzwischen ist es uns gelungen, Information über die Falsch-Alarm-Rate des Bluttests zu finden. Uns liegen die Folien eines Vortrags „Liquid Biopsy in der gynäkologischen Onkologie“ von Professor Christof Sohn vor, der den Bluttest vorgestellt hatte. Dort ist die Falsch-Alarm-Rate angegeben. Über alle getesteten Frauen hinweg betrug sie 46 Prozent. Kein Wunder, dass die Pressemitteilung und die BILD-Zeitung sich darüber ausschwiegen.

Was bedeutet eine Falsch-Alarm-Rate von 46 Prozent? Wenn ein solcher Test zum Brustkrebs-Screening eingeführt werden würde, dann würden knapp die Hälfte aller gesunden Frauen in Deutschland einen verdächtigen Befund erhalten. Einen derart schlechten Test zu vermarkten und von den Krankenkassen bezahlen zu lassen, wie die Heidelberger Forscher ankündigten, wäre unverantwortlich. Gerade bei einem Bluttest sollte man Frauen ehrlich über dessen Zuverlässigkeit informieren, da diese mit einem falschen Befund bis zu fünf Jahre leben müssen. Erst dann werden Tumore so groß, dass man mit einem bildgebenden Verfahren untersuchen kann, ob wirklich ein Tumor vorliegt. 

Bei der Pressekonferenz im Februar saß auch der Geschäftsführer der HeiScreen GmbH mit auf dem Podium, der den Bluttest auf den Markt bringen sollte. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Mannheim, die Universität Heidelberg entschuldigte sich und hat eine Untersuchungskommission eingesetzt.

Die Heidelberger Forscherinnen und Forscher haben die wissenschaftlichen Standards verletzt. Sie sind direkt zur BILD-Zeitung gegangen, ohne dass zuvor die Studie begutachtet und veröffentlicht wurde. Sie haben mit der Sensation von „75 Prozent“ tausende von Frauen in die Irre geführt, die dann bei Ärzten hoffnungsvoll nach dem Bluttest fragten. Und sie scheinen in Kauf genommen zu haben, dass im Falle einer gelungenen Vermarktung des Tests Millionen von Frauen unnötigerweise eine falsche Krebsdiagnose erhalten hätten.

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Weltsensation: Bluttest erkennt Brustkrebs!

Februar 2019

Die Unstatistik des Monats Februar ist eine Pressemitteilung der Universitätsklinik Heidelberg. Sie berichtet über einen neuen „marktfähigen“ Bluttest für Brustkrebs, der eine Trefferrate (Sensitivität) von 75 Prozent hat. Die Heidelberger Forscher gaben der BILD-Zeitung ein Exklusiv-Interview, die dann schrieb: „Neuer Bluttest erkennt zuverlässig Brustkrebs – Warum dieser Test eine Weltsensation ist“.

Nach üblichen wissenschaftlichen Standards veröffentlichen Forscher zuerst eine Studie in einer Fachzeitschrift, die dort begutachtet wird, und gehen erst dann an die Presse. Beim Bluttest wurde dieser Standard nicht eingehalten. Die Heidelberger Forscher sind zuerst medienwirksam zur BILD-Zeitung gegangen. Eine wissenschaftliche Veröffentlichung liegt nicht vor.

Was bedeutet eine Trefferrate von 75 Prozent? Laut Pressemitteilung wurde der Bluttest an über 900 Frauen erprobt, von denen über 500 Brustkrebspatientinnen waren. Bei 75 Prozent der Frauen mit Brustkrebs war der Test positiv (Verdacht auf Brustkrebs) und bei 25 Prozent dieser Frauen wurde der Krebs übersehen.  

Erst die Falsch-Alarm-Rate macht die Trefferrate aussagekräftig

Ist 75 Prozent nun gut oder schlecht? Diese Frage kann niemand beantworten, da die Pressemitteilung die dazu notwendige Information unerwähnt gelassen hat: die Falsch-Alarm Rate des Bluttests. Denn jeder Test dieser Art macht zweierlei Fehler: erstens, einen Krebs zu übersehen (wie gesagt, der Bluttest übersieht dies bei 25 Prozent der Frauen), und zweitens, bei Frauen ohne Krebs fälschlicherweise Krebs zu diagnostizieren. Die Falsch-Alarm Rate gibt an, wie oft dieser zweite Fehler passiert. Gerade bei einem Bluttest sollten Frauen diese Information ehrlich und verständlich erhalten, da sie mit einem verdächtigen Befund noch bis zu fünf Jahre leben müssen – erst dann sind Tumore in der Regel so groß, dass man mit bildgebenden Verfahren wie Mammographie prüfen kann, ob es wirklich einen Tumor gibt oder es sich um einen falschen Alarm handelt. Und je höher die Falsch-Alarm Rate ist, desto mehr gesunde Frauen müssen mit Verdacht auf einen Krebs leben, den sie gar nicht haben. Man muss sich ernsthaft fragen, warum die Pressemitteilung diese wichtige Information der Öffentlichkeit vorenthalten hat.

Ein einfaches Beispiel verdeutlicht, warum die Trefferrate allein nicht zeigt, wie gut ein Test ist. Nehmen wir eine Gruppe von Frauen, 10 mit Krebs und 100 ohne Krebs. Man kann eine Trefferrate von 100 Prozent erreichen, wenn man einfach bei jeder Frau Verdacht auf Krebs feststellt. Diese Methode „erkennt“ alle Frauen mit Brustkrebs, aber alle 100 Frauen ohne Krebs erhalten fälschlicherweise einen verdächtigen Befund.  Mit dieser Methode würde man keinen einzigen Krebs übersehen, aber eine Falsch-Alarm Rate von 100 Prozent haben. Eine Trefferrate von 100 Prozent wäre dagegen beeindruckend, wenn zugleich die Falsch-Positiv Rate bei 1 Prozent läge. Dieser Test erkennt alle Frauen mit Brustkrebs richtig, und nur eine der Frauen ohne Brustkrebs wird fälschlicherweise alarmiert. Eine Trefferrate kann man also nur bewerten, wenn man die Falsch-Alarm Rate kennt. Die Mammographie hat beispielsweise eine Trefferrate von etwa 80 Prozent und eine Falsch-Alarm Rate von fünf bis zehn Prozent.

Das Problem liegt hier nicht erst bei der BILD Zeitung, sondern bereits in der Pressemitteilung. Dank BILD wissen zwar jetzt viele Frauen von dem Test, ohne aber wissen zu können, wie gut er ist. Pressemitteilungen mancher Universitäten sind in den vergangenen Jahren zurecht kritisiert worden, weil sie Schlagzeilen oder Vermarktung statt dem Ziel verständlicher Information dienen. So saß bei der Pressekonferenz auch der Geschäftsführer der HeiScreen GmbH auf dem Podium, der den Bluttest auf den Markt bringen soll. Gerade bei so angstbesetzten Themen wie Krebs sollten Pressestellen jedoch dafür sorgen, dass die Standards guter wissenschaftlicher Information wieder eingehalten werden.

Quelle: http://www.rwi-essen.de/

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Anmerkung: Die Ergenisse können sehr brutal enden, denn jeder Mensch trägt in seinem Körper Krebszellen mit sich. Es ist ebenfalls wissenschaftlich bekannt, dass Menschen (mehrere) Tumornester im Körber haben können, die sich nicht zu einem Krebs entwickeln müssen. Wird mit so einem Bluttest, oder auch neu mit einem Speicheltest, Krebs diagnostiziert, beginnt der Kampf, der Krieg, gegen diese Krebszellen und Tumornester. Der Krampf, der Krieg, die Vernichtung, gegen seinen eigenen Körper! Sie wissen was das heisst: Der Körper verliert diesen Kampf mit den Giften, die verabreicht werden. Ausser Sie werden mit Placebos oder sehr, sehr schwachen Medikamenten behandelt. Alles ist möglich.

In der Schweiz sollte ab 2017 eine landesweite Krebstatistik neu eingerichtet werden. Ab 2020 soll es nun losgehen – oder auch nicht. Wer weiss das schon?

Pharmaunternehmen träumen davon, dass fast jede zweite an Brustkrebs erkrankte Frau mit ihren Krebsmedikamenten überlebt. Kein Wunder, wenn die Diagnosen komplett falsch sind, oder auf Nichtwissen oder sogar auf Betrug erstellt werden.

Wir haben schon vor etwa 10 Jahren berichtet, dass sehr viele Krebsdiagnosen falsch sind. Trotzdem werden die gesunden Menschen mit Medikamenten behandelt, überleben die fünf Jahre, sterben jedoch später tatsächlich an Krebs. Die Medikamenten-Nebenwirkungen werden vergessen. Dank der Schulmedizin konnte ich noch ein paar Jahre leben, denken die Betroffenen grosszügig.